Die durch die Grüne Landtagsfraktion in Auftrag gegebene Untersuchung sollte sich einen auf den ersten Blick nicht erkennbaren „Kostenblock“ zuwenden: den Aufwendungen der Stadt Jena für die Sicherung des Autoverkehrs in ihrem Stadtgebiet. Diese Betrachtung ist vor allem daher interessant, da es durchaus im öffentlichen Bewusstsein ist, dass der Betrieb eines öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) nur über öffentliche Subventionen abgesichert werden kann. Dass und in welcher Höhe auch der Autoverkehr (Motorisierter Individualverkehr – MIV) durch öffentliche Gelder – in diesem Fall der Städte und Gemeinden – unterstützt, d. h. subventioniert wird bzw. werden muss, ist im Allgemeinen nicht bekannt. Die Methodik und die Ergebnisse der Studie können Sie hier nachlesen. Zusammengefasst sind vor allen zwei Zahlen von Interesse: ca. 30 Euro pro Einwohner werden pro Jahr in Jena für den ÖPNV verwendet. Dies geschieht über den so genannten Verlustausgleich, sprich das Minus der Jenah wird durch die Stadtwerke ausgeglichen. Für Straßen werden in Jena ca. 100 Euro pro Einwohner und Jahr eingesetzt. Klar, mensch kann sofort argumentieren, dass auch Busse Straßen brauchen. Richtig, aber müssen wir in Jena gerade vor dem Hintergrund der Neuerstellung des Nahverkehrsplanes nicht eine Diskussion darüber führen, ob wir die Prioritäten richtig gesetzt haben? Ein Blick auf den so genannten Modal Split, welcher seit vielen Jahren von der TU Dresden für Jena erhoben wird und das Mobilitätsverhalten der Jenaer Bürgerinnen und Bürger beschreibt, zeigt: zu Fuß 40 %, MIV 35 %, ÖPNV 15 %, Rad 10 %. Daraus folgt, dass eine Mehrzahl der Menschen via ÖPNV oder Muskelkraft unterwegs ist. Ach ja, sagen jetzt vielleicht einige, der Grüne Chefideologe macht mal wieder einen auf Anti-Auto! Nein. Selbstverständlich brauchen wir ein gut ausgebautes Straßennetz und Schlaglöcher mag keiner, schon gar kein Radfahrer, der aufgrund des häufig fehlenden Radweges auf der Straße unterwegs ist. Aber die plumpe Forderung nach mehr Geld für Straßen lässt außer Acht, dass wir in Jena nicht zu wenig Geld sondern zu wenig Zeit für die Straßensanierung haben oder kann sich jemensch vorstellen, im Sommerhalbjahr noch mehr Baustellen zu verkraften als eh schon vorhanden sind? Jahr für Jahr werden in den Haushalt eingestellte Gelder nicht ausgegeben, außer mensch hätte den Straßenverkehr komplett zum Erliegen gebracht. Für mich folgt daraus, dass wir uns bei der Erstellung des Nahverkehsplanes nicht dafür entschuldigen müssen, dass der ÖPNV subventioniert wird sondern wir müssen den ÖPNV als das begreifen was es ist, kommunale Daseinsfürsorge und ja die kostet Geld! Das bedeutet u. a. ÖPNV und Stadtentwicklung zusammen zu denken, die Neuerstellung des Radverkehrskonzeptes mit einer mittelfristigen Finanzplanung zu verbinden und eine Stadt der kurzen (Fuß-)Wege auch ohne Trekkingschuhe zu ermöglichen!
Aktuelles » Was kostet die Straßeninfrastruktur in Jena oder ist der ÖPNV zu teuer?








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